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Wo ist wahre Kirche?

Ich knüpfe an den Artikel von Apologet.de an ( Was heißt hier reformatorisch? ) und möchte zeigen, dass es in den Gedanken von Reformatoren wie Luther, Zwingli und Calvin nicht um die Frage ging: Wie können wir, jetzt dass wir das Prinzip der Sola Scriptura wieder entdeckt haben, die konfessionellen Grenzen abschaffen? Für sie ging es primär um konkrete Frage wie: Wo ist wahre Kirche, wo ist Einheit möglich und mit wem kann ich Gemeinschaft am Tisch des Herrn haben? Denn zur Zeit der Reformation gab es zahlreiche radikale Sekten, die ebenso den Anspruch erhebten, die Kirche zu reformieren.

Diese Frage ist äußerst aktuell, gerade weil wir in einer Zeit leben, wo insbesondere in der ev. Welt nach Einheit gestrebt wird (im Rahmen der Evangelischen Allianz zum Beispiel), und weil unsere Bekenntnisse zwangsläufig ein wenig in den Hintergrund rücken.

Um diese Frage zu lösen, war – dies gilt für alle Reformatoren – das Glaubensbekenntnis von höchster Bedeutung. Es bildete keine Autorität neben der Heiligen Schrift, sondern war ein konsensuales Hilfsmittel, um festzulegen, was biblisch ist. Sola Scriptura bedeutete niemals, dass man die Schrift willkürlich auslegen durfte! In manchen reformierten Kirchen ist es am Sonntag üblich, einen zweiten Gottesdienst nachmittags zu feiern, wo der Katechismus ausgelegt wird. Dass manche antikonfessionellen reformierte Christen (wie Martyn Lloyd-Jones zum Beispiel) diese Praxis verurteilen, ändert nichts an der Tatsache, dass es eine reformierte Tradition war und bleibt. In den Gedanken der Reformatoren war jede Abweichung von den Bekenntnissen ein Indiz für unbiblische Lehre und ebenso dafür, dass man eventuell mit einer “falschen” Kirche zu tun hatte. Read the rest of this entry

Führen alle Religionen zu Gott?

Vor einigen Jahrhunderten hätte keiner in Europa eine solche Frage gestellt. Es stand außer Frage, dass das Christentum die einzig wahre Religion war. Wenn ich heute behaupten würde, dass meine Religion die einzig richtige ist, würde ich auf keine große Zustimmung stoßen. Es ist nämlich total modern zu denken, dass jeder irgendwie Recht hat, dass Glaube Privatsache ist und dass seine Meinung über die Meinungen der anderen zu stellen, inakzeptabel ist.

Was hat dazu geführt?

1.Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft und das Zusammenkommen der Kulturen in unserem “globalen Dorf” zwingt irgendwie jeden, andere Religionen und Weltansichten zu akzeptieren, denn sonst wäre ein Zusammenleben unmöglich.

2.Viele unserer Mitmenschen spüren eine tiefe Abneigung gegen die “Kirche” als Institution. Die letzten Skandale in der katholischen Kirche verstärken diesen Trend. Warum sollten diese Menschen nicht andere Spiritualitäten kennen lernen?

3.Die Aufklärung hat uns irgendwie in eine Sackgasse geführt. Da wir nicht mehr über Gott objektiv reden können, müssen wir uns mit relativen und subjektiven Aussagen begnügen: Das ist meine Meinung, ich denke, ich vermute…

4.Komischerweise findet eine Spaltung in der Gesellschaft statt: viele Menschen verwerfen mit Recht den religiösen Radikalismus, wo andere gerade in diesen Radikalismus verfallen, weil sie auf der Suche nach absoluten Werten sind, die ihnen in unserem multireligiösen System vorenthalten sind. Read the rest of this entry

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