C h r i s t o z e n t r i s c h

biblisch, evangelisch, reformiert

Die Schrift alleine

SchriftFast alle protestantischen Kirchen, sowohl die evangelikalen als auch die evangelischen Kirchen, berufen sich auf das Prinzip der Sola Scriptura. Was jedoch bedeutet der Begriff „Sola Scriptura“ eigentlich?

Eine einfache Antwort könnte lauten: die Heilige Schrift allein soll den Inhalt unseres Glaubens bestimmen.

Nur eine Kritik, die die Katholiken an uns richten, ist berechtigt: Wer bestimmt, dass eure Interpretation der Bibel die richtige ist?

Für die Katholiken selbst ist diese Frage einfach zu beantworten: das ist die Kirche; sie garantiert, dass diese Interpretation korrekt ist.

Viele evangelische Christen würden möglicherweise heute folgende Antwort geben: der Heilige Geist garantiert, dass ich mich nicht irre. Diese Antwort geben aber beispielsweise auch die Mormonen und ich persönlich bin davon überzeugt, dass ihr Verständnis von der Bibel von meinem eigenem Verständnis sehr abweicht. Demnach ist diese Antwort nicht zufriedenstellend. Weiterlesen »

22 Aug 2009 Verfasst von christozentrisch | Systematische Theologie | , , , | Noch keine Kommentare

Johannes Calvin zum 500. Geburtstag

Johannes CalvinWir feiern 2009 den 500. Geburtstag von Johannes Calvin.

Geboren ist Calvin in Noyon, in der Picardie, am 10. Juli 1509. Anfangs hatte Calvins Vater beabsichtigt, seinen Sohn Theologie studieren zu lassen. Doch er ändert seinen Plan und lenkt ihn hin in Richtung Jura. Calvin beginnt vermutlich 1528 das Jurastudium in Orléans, einer damals sehr berühmten Fakultät. Er arbeitet verbissen und eifrig, lernte in wenigen Monaten Griechisch und lässt sich immer mehr von humanistischen Idealen beeinflussen. 1529 verlässt Calvin Orléans und studiert weiter in Bourges bei dem berühmten Juristen Alciat.
Nach dem Tod seines Vaters (1531) geht Johannes Calvin nach Paris; er ist jetzt unabhängig und widmet sich neben seinen juristischen vor allem literarischen Studien.

Der Mediziner Nikolaus Cop, Rektor der Pariser Universität, an der auch Calvin studiert, hält am 1. November 1533 in der Kirche des Mathurins eine Ansprache zur Semestereröffnung. Diese Ansprache, eine Auslegung der Seligpreisungen aus der Bergpredigt, ist inhaltlich ein Lob auf das Evangelium, Cop bekennt sich also zur Reformation. Die Franziskaner, in deren Kirche die Rede gehalten wird, bezichtigen Cop umgehend der Häresie, und einige Wochen nach der Rede flieht Cop aus Paris in seine Heimatstadt Basel. Sehr kontrovers wird in der Calvin-Forschung diskutiert, ob Cops Rede zum Teil jedenfalls von Calvin stammt. Wenn das stimmt, wäre Calvin schon im Herbst 1533 reformatorischer Gesinnung gewesen. Weiterlesen »

11 Jul 2009 Verfasst von christozentrisch | Kirchengeschichte | , | Noch keine Kommentare

Das Volk Gottes

Die Frage, die wir in diesem Artikel beantworten wollen, ist folgende: Wer gehört eigentlich zum Volk Gottes? Steht es nur den Juden zu oder gehören auch die erretteten Heiden der Gemeinde zum Volk Gottes? Dass heute viele der Meinung sind, dass es nur Israel zusteht, hat mit dem breiten Erfolg der Theologie des Dispensationalismus zu tun. Die Dispensationalisten haben es irgendwie geschafft, dass man ausschließlich die Israeliten mit dem Volk Gottes identifiziert. Fast alle Kirchenväter haben jedoch in der Kirche das „neue“ Volk Gottes gesehen.

Die Erwählung Israels als Volk Gottes

Die Zugehörigkeit zum Volk Gottes hängt eigentlich von zwei Dingen ab. Zum einen hängt es von der Erwählung Gottes ab. In seiner Souveränität erwählt Gott diejenigen, die Er zu seinem Volk machen will. Gott hat sich im Alten Bund um das Volk Israel erbarmt: Weiterlesen »

11 Feb 2009 Verfasst von christozentrisch | Systematische Theologie | , , , | Noch keine Kommentare

Wie Reformierte Evangelisation verstehen

Folgendes Vorurteil hat sich in vielen Köpfen festgesetzt: Reformierte halten nur ihre Gottesdienste; sie evangelisieren nicht, weil sie der Überzeugung sind, dass die Auserwählten sowieso irgendwann gerettet werden.

Eine solche Beurteilung ist aus zwei Gründen falsch:

  • Reformierte legen viel Wert auf die Evangelisation, nur evangelisieren sie anders.
  • Gott ist zwar souverän, aber in seiner Gnade möchte Er uns gerne gebrauchen.

Evangelisation durch den Gottesdienst?

Wenn Evangelikale an Evangelisation denken, sind sie der Meinung, dass man unbedingt spezielle Gottesdienste für Kirchenferne planen sollte. Laut dieser Auffassung könnten Kirchenferne nämlich fast nichts mit einem herkömmlichen Gottesdienst anfangen. Reformierte vertreten da eine ganz andere Meinung: Evangelistische Veranstaltungen sind wünschenswert aber sie sollten nie auf Kosten des regelmäßigen Gottesdienstes geschehen. Der Gottesdienst ist zwar primär für die Erbauung der Gläubigen gedacht, wir können jedoch unsere Freunde und Bekannten auch dazu einladen, weil Gott sie dort durch gewöhnliche Gnadenmittel wie die Wortverkündigung ansprechen kann.

Die Frage ist nämlich: Was traue ich Gott zu? Verlasse ich mich auf geschickt angewandte Techniken und sanfte menschliche Methoden, die Gefühle hervorrufen aber nicht unbedingt Herzen zur Umkehr (Buße) führen können oder will ich die Verlorenen direkt mit Gottes Botschaft konfrontieren und dabei erwarten, dass der Heilige Geist sie überzeugt? Weiterlesen »

15 Dez 2008 Verfasst von christozentrisch | Systematische Theologie | , , | Noch keine Kommentare

1 Johannes 2, 20: Ihr habt alle das Wissen

In 1 Johannes 2, 20 lesen wir:

Doch ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und habt alle das Wissen.

Damals wurde der Hohepriester in Israel mit dem Öl des Heiligtums gesalbt. Gleicherweise wurde der Führer des Volkes mit einer Ölsalbung inthronisiert. Jesus wurde vom Vater selbst als Messias gesalbt und lässt den Christen an seinem Segen teilhaben. Mit Salbung ist hier die Gemeinschaft des Heiligen Geistes gemeint, eine Gabe, die ein Christ empfängt, wenn Gott ihn errettet. Dafür braucht man keine zweite Erfahrung, kein esoterisches Wissen, sondern alles geschieht bereits bei der Wiedergeburt.

Es sieht so aus, als ob die Kinder des Neuen Bundes durch den Heiligen Geist genug Wissen hätten, um in der Wahrheit selbständig zu wandeln. Bedeutet dies dann, dass sie keine Belehrung mehr brauchen? Können sie sich Pastoren und Lehrer sparen? Weiterlesen »

30 Aug 2008 Verfasst von christozentrisch | Neues Testament | , , , , | Noch keine Kommentare

Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte

Ehrlich gesagt, das Bild von einer Schafherde mag vielleicht beruhigend sein, aber es weckt bei uns keine besondere Gefühle mehr auf. Keiner würde zum Beispiel auf die Idee kommen, sich mit einem Schaf zu vergleichen, denn Schafe werden als nicht besonders schlau empfunden. Sagt man auch nicht: „du, dummes Schaf?“ Das Bild einer Schafherde kommt in der Bibel sehr oft vor, beispielsweise in dem bekannten Psalm 23, wo der Herr mit einem guten Hirten verglichen wird. Ich bin der Meinung, dass viele von uns sich mit diesen Tieren nicht wirklich identifizieren, wenn sie den Psalm lesen.

(1) „Ein Psalm Davids.“ Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (2) Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. (3) Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. (4) Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. (5) Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. (6) Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Israel war ein Hirtenvolk. Selbst David war in seiner Jugend ein Hirte. Für uns ist es schwer geworden, uns vorzustellen, was ein Hirtenleben wirklich bedeutet. Weiterlesen »

30 Aug 2008 Verfasst von christozentrisch | Altes Testament | , , | Noch keine Kommentare

Gottesdienst nach Lust und Laune?

Seit einigen Jahren sind die sogenannten Gästegottesdienste in vielen Gemeinden üblich geworden. Im Gegensatz zum „normalen“ Gottesdienst bietet ein Gästegottesdienst (oder Gottesdienst für Kirchenferne) die Möglichkeit, einige Experimente zu machen: neben einer verkürzten Botschaft werden theatralische Darbietungen oder Lobpreistanz angeboten, und das Publikum wird mehr eingebunden als im Normalfall.

Schön und gut, könnte man sagen: Wenn man Kirchenferne erreichen will, muss man auch den Gottesdienst schmackhaft machen. Eine Frage stellt sich nur: Darf man das?

Für die lutherische Kirche und die meisten Evangelikalen gilt das Prinzip: Alles, was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Ob die Heilige Schrift oder die guten Sitten bestimmen sollen, was verboten ist, wird aber meistens nicht spezifiziert. Darf man zum Beispiel einen Party-Gottesdienst feiern oder einen Motorrad-Gottesdienst?

Für die Reformierten gilt längst ein anderes Prinzip, das sogenannte regulative Prinzip. Darunter wird verstanden, dass alles, was in der Schrift nicht explizit genannt wird, verboten ist. Weiterlesen »

16 Aug 2008 Verfasst von christozentrisch | Glaubensleben, Systematische Theologie | , , | Noch keine Kommentare

Zeichen und Wunder damals und heute

Geschehen heute noch Zeichen und Wunder?
Im Prinzip gehören Reformierte nicht zu den Kirchenrichtungen, die außergewöhnliche Geistesgaben wie Prophetie, Zungenrede und Heilungen fördern. Viele von ihnen glauben nämlich, dass Wunder und Zeichen heute aufgehört haben.

Benjamin Warfield, zum Beispiel, war der Meinung, dass diese außergewöhnliche Zeichen den Aposteln anvertraut wurden, um damals die Neuigkeit und die göttliche Autorität des Evangeliums zu unterstreichen und um das Fundament der Gemeinde zu legen.

Wenn man von Gaben spricht, ist es wichtig, zwischen natürlichen Gaben und Geistesgaben zu unterscheiden:

  • eine natürliche Gabe ist zum Beispiel wenn jemand gut musizieren kann. Berühmte Musiker haben diese Gabe von Gott empfangen. Sie müssen dennoch nicht gläubig sein. Weiterlesen »

09 Aug 2008 Verfasst von christozentrisch | Reformierte Heilslehre | , , , | Noch keine Kommentare

Religion zum Anfassen!

Vor einiger Zeit habe ich eine interessante Kritik von David Wells gelesen: es heißt Natural Vs. Supernatural Religion. In diesem Artikel bezeichnet Wells die modernen Spiritualitätsformen, die sich zur Zeit in der Aufkommenden Gemeinde („Emerging Church“) oder sogar in den Gemeinden für Kirchenfernen entwickeln, als natürliche Religion. Auf der anderen Seite gibt es das, was er übernatürliche Religion nennt; darunter versteht er den rechtmäßigen Gottesdienst, so wie er bisher nach dem biblischen Vorbild (Apostelgeschichte 2, 42) gefeiert wurde.

Nach seiner Auffassung sind die Merkmale der natürlichen Religion folgende:

  • der Zugang zu Gott ist selbstverständlich; wir brauchen keine besondere Vorbereitung dazu. Wenn ich mich entscheide, einen Spaziergang im Wald zu machen, habe ich einen unmittelbaren Zugang zu der Natur und kann sie nach Lust und Laune genießen. Wenn ich einen Gottesdienst für Kirchenfernen besuche, kann ich mich gemütlich hinsetzen und mich auf das Angebot einstellen. Ich entwickle damit auch eine Verbrauchermentalität, urteile über die Qualität der Veranstaltung, evaluiere und kritisiere die Darsteller. Weiterlesen »

24 Mai 2008 Verfasst von christozentrisch | Glaubensleben | , , | Noch keine Kommentare