Archiv der Kategorie: Glaube und Wissenschaft

Führen alle Religionen zu Gott?

Vor einigen Jahrhunderten hätte keiner in Europa eine solche Frage gestellt. Es stand außer Frage, dass das Christentum die einzig wahre Religion war. Wenn ich heute behaupten würde, dass meine Religion die einzig richtige ist, würde ich auf keine große Zustimmung stoßen. Es ist nämlich total modern zu denken, dass jeder irgendwie Recht hat, dass Glaube Privatsache ist und dass seine Meinung über die Meinungen der anderen zu stellen, inakzeptabel ist.

Was hat dazu geführt?

1.Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft und das Zusammenkommen der Kulturen in unserem “globalen Dorf” zwingt irgendwie jeden, andere Religionen und Weltansichten zu akzeptieren, denn sonst wäre ein Zusammenleben unmöglich.

2.Viele unserer Mitmenschen spüren eine tiefe Abneigung gegen die “Kirche” als Institution. Die letzten Skandale in der katholischen Kirche verstärken diesen Trend. Warum sollten diese Menschen nicht andere Spiritualitäten kennen lernen?

3.Die Aufklärung hat uns irgendwie in eine Sackgasse geführt. Da wir nicht mehr über Gott objektiv reden können, müssen wir uns mit relativen und subjektiven Aussagen begnügen: Das ist meine Meinung, ich denke, ich vermute…

4.Komischerweise findet eine Spaltung in der Gesellschaft statt: viele Menschen verwerfen mit Recht den religiösen Radikalismus, wo andere gerade in diesen Radikalismus verfallen, weil sie auf der Suche nach absoluten Werten sind, die ihnen in unserem multireligiösen System vorenthalten sind. Read the rest of this entry

Schöpfung und Evolution

Nach meiner Ansicht ist jemand kein echter Christ, wenn er nicht an einen Schöpfer-Gott glaubt. Als Christ gehe ich nämlich davon aus, dass der allmächtige Gott die Welt erschaffen hat und sie erhält. Aber wie hat Er die Erde geschaffen? Was glaubte zum Beispiel Jesus, der Mensch gewordene Gott, über die Schöpfung? Spricht die Heilige Schrift eindeutig über dieses Thema? Wie soll man den Schöpfungsbericht aus 1 Mose verstehen?

Einige können aber eine gute Ausrede finden: das Thema ist so kompliziert; ist eine Antwort auf diese Fragen wirklich enstcheidend? Blickt der Glaube nicht eher auf die Zukunft? Ich meine doch, die Schöpfungsfrage ist äußerst wichtig, weil andere wesentliche Themen, wie der Ursprung und die Vererbung der Sünde, die Notwendigkeit einer Erlösung und sogar die ganze Endzeitlehre davon abhängen.

Im Grunde trifft man bei dieser Debatte auf zwei Arten von Menschen: die Materialisten (oder genauer gesagt die Befürworter des philosophischen Naturalismus), die einen Schöpfer strikt ablehnen und deshalb die Evolutionstheorie entscheidend verteidigen und die Menschen, die an die Existenz eines Schöpfer-Gottes glauben und sich fragen, was sie von der Evolutionstheorie halten sollen – Die Pantheisten lasse ich außen vor; nach meiner Meinung ist ihr Ansatz nicht sehr weit entfernt von dem des Naturalismus. Read the rest of this entry

Bibel und Archäologie: Goliats Waffen

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Ein gutes Beispiel, wie willkürlich die Bibelkritik manchmal mit der Heiligen Schrift umgeht, finden wir in diesem Artikel unter http://www.bibelwissenschaft.de. Dort steht zum Punkt 2.2. folgende Aussage:

Die Überlieferung von 2 Sam 21,19, wonach Goliat von Elhanan erschlagen worden sei, könnte den Ursprung der Goliatüberlieferung gebildet haben. Auf einer späteren Traditionsstufe wurde Elhanan durch David ersetzt, der sich ebenso wie jener durch Scharmützel und Kämpfe gegen die Philister hervorgetan hatte.

Wann sollte diese Textänderung stattgefunden haben? Viel später selbstverständlich. Viele bibelkritische Archäologen, wie zum Beispiel Israel Finkelstein (“Keine Posaunen vor Jericho”, “David und Salomo”…) sehen für solche Geschichten als früheste Zeit das 7te Jahrhundert vor Christus (Deuteronomisches Geschichtswerk) an. Read the rest of this entry

Die vier Auferstehungsberichte

leeres_grabWas ist der Kernpunkt des christlichen Glaubens? Mit Sicherheit ist es die Auferstehung Jesu. Wenn dieses wichtige Ereignis nie stattgefunden hätte, könnten Christen ihre Koffer packen. Paulus drückt es nicht sehr anders aus:

Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.
1 Korinther 15, 14

Es ist deshalb von höchster Wichtigkeit, dass wir die Zuverlässigkeit der neutestamentlichen Berichte über die Auferstehung Jesu prüfen. Wie viele Kritiker bemerkt haben, gibt es scheinbare Widersprüche zwischen den Auferstehungsberichten in den 4 Evangelien. Wir nehmen uns deshalb in diesem Artikel vor, zu zeigen, dass sich diese Diskrepanzen sehr wohl erklären lassen. Read the rest of this entry

Warum lässt Gott Leid zu? Die Theodizeefrage

leidGottfried Wilhelm Leibniz war glaube ich der Erste, der den Begriff Theodizee verwendet hat. Das tut er in seinem Buch „Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l’homme et l’origine du mal“. Der Begriff wird aus den griechischen Wörtern θεός (theós „Gott”) und δίκη (díke „Gerechtigkeit”) gebildet. Die Absicht von Leibniz war, die Aussagen des französischen Philosophs Pierre Bayle zu widerlegen (auf französisch!), der wegen seinem persönlichen Leidensweg behauptete, Gott sei entweder nicht allmächtig oder nicht gut. Das Problem der Theodizee besteht letztendlich in der Frage, wie die Existenz eines liebenden Gott sich mit der Existenz des Übels oder des Bösen vereinbaren lässt.

A. Die menschliche Antwort

Im Teil A wollen wir uns zunächst mit den verschiedenen Antworten auseinandersetzen, die die Philosophen im Laufe der Geschichte zu dieser Frage gegeben haben. Wer meint, die Bibel hat sowieso die bessere Antwort, kann sofort zum Teil B übergehen. Read the rest of this entry

Ausgeklügelte Fabeln

bibel-griechischViele liberale Theologen sehen in den Berichten des Neuen Testaments nur menschliche Erfindungen. Jesu Botschaft kann man nicht wirklich rekonstruieren und die Wunder, die man ihm zuschreibt, hätte er nie vollzogen. Die Evangelien hätten die Apostel beschönigt.

Sollte man glauben, dass Paulus dem auferstandenen Jesus begegnet ist? Wie kann man die plötzliche Bekehrung des großen 13. Apostels erklären? Saulus, ein überzeugter Verfolger der Gemeinde, wie kann er zu einem überzeugten Prediger der Guten Nachricht werden? Gerd Lüdemann hat seine Idee dazu: Paulus, der im Judentum bedeutungslos war, hat eine strategische Wende vollzogen und hat mit dem schlecht vermarkteten “Jesus” eine Weltreligion gegründet.

Viele dieser modernen “Spezialisten” stellen die Jünger Jesu entweder als Lügner oder skrupellose Fanatiker dar. In Wirklichkeit sind diese Ansichten nicht neu. Es gab bereits in der frühen Kirchen Menschen, die sie vertreten haben. Read the rest of this entry

Adam, wo bist du? – Schöpfung vs. Evolution

Anfang April hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in der Schöpfungsfrage ihre Position erläutert.

Vielleicht erinnern wir uns an diese Auseinandersetzung, als ein Biologielehrer der August-Hermann-Francke-Schule in Gießen (D) in die Kritik geraten war. Dazu hatte sich die hessische Kultusministerin zu Wort gemeldet. Die Theologin Karin Wolff war dafür, dass eine offene und sachliche Diskussion über dieses Thema in den Schulen stattfinden sollte.

Jetzt aber bekennt sich die EKD zur Theistischen Evolution und lehnt den sogenannten biblischen Kreationismus klar ab. Wer ernst genommen werden will, darf die wissenschaftlich etablierte Evolutionstheorie nicht antasten. Jeder sollte auch verstehen, dass man die Sympathisanten des Kreationismus nicht ernst nehmen kann.

Nach der Meinung der EKD betreiben Mitarbeiter von kreationistischen Organisationen wie die Studiengemeinschaft Wort und Wissen” nur Pseudowissenschaft. Manchmal frage ich mich: Würde man mit den Kreationisten zurück ins Mittelalter kehren, wie behauptet wird? Wird hier nicht der Kreationismus zur Zielscheibe einer modernen Inquisition? Mich stört auch, dass die EKD sich der theologischen Konsequenzen dieser Stellungnahme nicht ganz bewusst ist. Read the rest of this entry

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